Alltag in Singapur und die Sonderheiten der Asiaten

Montagmorgen. Der Handywecker klingelt. 07:00 am  zeigt das Display an. Langsam stehe ich auf. Ich habe keine Eile, denn bis die anderen vier mit denen ich ein kleines Bad teile im Badezimmer fertig sind kann ich in Ruhe einen Kaffee kochen und den genießen.
Gegen 8:00 am geht es dann los. Nachdem mich die Kleinen, die mich bereits als Bruder bezeichnen, lauthals verabschiedet haben, laufe ich einige hundert Meter zur MRT Station. Schon auf diesem kurzen Weg fällt auf, was Dominik und mich hier am meisten stört. Gefühlte 99,9% der Asiaten laufen extrem langsam und machen nur kleine Schritte. Zudem neigen sie oft dazu ohne Grund stehen zu bleiben oder einfach mal so die Richtung zu wechseln. Hinzu kommt auch noch, dass in Singapur Linksverkehr gilt, und somit die meisten Menschen sich links halten. Dies bemerkt man spätestens, wenn hunderte Asiaten einem entgegen kommen und man sich fragt, warum eigentlich alle auf der falschen Seite laufen. Nach einer Fahrt mit dem Zug und einer weiteren kurzen Fahrt mit dem Bus stehe ich vor der Firma. Die Züge fahren hier mindestens im drei Minutentakt und auch der Bus hat keine festen Abfahrtzeiten. Somit kommt es immer auf den Verkehr und mein Glück an wie lang ich bis zur Arbeit brauche. Optimal dauert es ca. 40 Minuten.Um 12:00 Uhr geht es zum Mittagessen. Heute ist es heiß, die Sonne scheint, nur wenige Wolken sind am Himmel zu entdecken. Ein perfekter Tag für uns Europäer, um draußen etwas zu unternehmen: Eis essen, Fahrradtour oder einfach sonnen und bräunen. Nicht so für die Asiaten. Heiße, sonnige Tage sind schlechte Tage. Vor allem die Frauen haben der Sonne den Kampf angesagt. Nicht alle, aber viele haben immer ihre Regenschirme dabei. Sobald sie das Gebäude verlassen wird dieser aufgespannt und der Körper vor der Sonne geschützt. Dominik und ich staunten zu Beginn nicht schlecht über dieses grundsätzlich verschiedene Verhalten der asiatischen Frauen zu den Frauen in Deutschland. Doch hier ist es eben umgekehrt. Helle Haut ist beliebt, nicht dunkel gebräunte.

schc3b6nwetter-regenschirmeMitarbeiterinnen erklären uns auf unsere fragenden Blicke hin, dass wenn sie einmal braun werden, sie nicht mehr so schnell bleich werden. Hier gibt es nämlich keinen Winter. Das Wetter ist bis auf die Regenzeiten immer gleich.
Verdutzt waren wir trotzdem und ich muss immer noch schmunzeln, wenn ich sehe, wie Frauen und Mädchen mit Regenschirm bei 30°C im Schatten und strahlendem Sonnenschein herumlaufen.
Sobald es anfängt zu regnen, ist jeder gut beraten einen Regenschirm dabei zu haben. Hier kann ein kleiner Nieselregen sich schnell mal in einen zweistündigen Platzregen verwandeln. Wer keinen Regenschirm hat, kommt trocken nicht mehr von der Stelle. Doch schon bei leichtem Nieselregen, den man in Deutschland wahrscheinlich nicht einmal registrieren würde, schützen sich viele Asiaten mit allem was sie dabei haben vor dem Regen. Manche halten sogar ihre Hand über den Kopf, wenn sie nichts dabei haben.Im Food Court, wo wir jeden Mittag essen gehen, kennen mich einige bereits und wissen teil weise schon was ich will. Rein theoretisch, müsste ich mit der Besitzerin von einem kleinen Getränkestand gar nicht mehr reden. Sobald sie mich sieht bereitet sie mir einen Eiskaffee zu. In dem Gebiet, in dem wir arbeiten und wohnen gibt es kaum westliche Menschen. Somit fallen wir auf und sie vergessen uns nach zweimaligem Sehen nicht mehr so leicht.
Der Eiskaffe wird übrigens nicht in einem Becher wie beispielsweise bei Starbucks üblich serviert, sondern in einer kleinen Plastiktüte mit zwei kleinen Tragehänkeln. Der heiße Kaffee wird zusammen mit gesüßter Milch in die Tüte geschüttet. Nun noch die Tüte mit so viel Eiswürfeln wie möglich füllen und schon ist der Eiskaffee fertig. Einen Singapur Dollar kostet der dann. Das sind ca. 64 Cent.

Nach dem Essen geht es mit dem Aufzug wieder hoch in den vierten Stock.  Dort wartet die Arbeit auf mich. Bei der Aufzugfahrt fällt mir tagtäglich eine weitere Eigenheit der Asiaten auf. Immer, also wirklich immer, drückt mindestens ein Asiate auf den Knopf außen oder innen im Fahrstuhl, so dass die Tür offen bleibt. Dies tue ich in Deutschland auch, wenn ich noch auf jemanden warte. Doch hier werden diese Knöpfe immer gedrückt. Sei es nur zum Ein – und Aussteigen. Dabei bleibt einer draußen und hält die Tür offen. Ein zweiter eilt nach innen. Somit kann der noch draußen stehende gefahrlos in den Aufzug folgen. Ich muss ein ganz schön blödes Gesicht gemacht haben, als ich dieses Verhalten das erste Mal registrierte. Doch schon in der zweiten Woche sollte ich an eigenem Leib erfahren, dass dieses Verfahren nicht sinnlos ist.
Viele Aufzüge, vor allem Alte, besitzen nämlich keine Lichtschranken. Sie gehen nach einer festgelegten Zeit einfach zu. Egal ob ich da gerade rein will oder nicht. Na immerhin hatten die Konstrukteure an eine Vorrichtung gedacht, die erkennt ob gerade ein Mensch zwischen den Türen steckt oder nicht. Somit wird man nur mal kurz von den Türen „gedrückt“. (An den Vertrieb: Hier lassen sich bestimmt noch ein paar Sensoren absetzen  😉 )

Nach der Arbeit gehe ich fast jeden Tag schwimmen. Zu Beginn dachte ich dabei werde ich langsam schön braun. Dem ist leider nicht so, da die Sonne hier schon gegen 19 Uhr untergeht. Ab 18 Uhr kommen im Schwimmbad, dank umliegender Gebäude keine direkten Sonnenstrahlen mehr an. Zudem ist es oft bewölkt.

Gegen 20 Uhr komme ich nach Hause. Dort erwartet mich „meine“ Familie, die aus den Eltern, Ming und Christine, deren Kindern (einem Jungen vier Jahre alt und einem Mädchen zwei Jahre alt), zwei Nichten von Christine (eine Anfang 20, die andere Ende 20), einem Neffen von ihr in meinem Alter, sowie dessen Freundin und manchmal noch der Schwester von Christine besteht. Zusammen wird zu Abend gegessen, Fernsehen geschaut, über Fußball und Politik diskutiert, Deutschland und Singapur verglichen oder mit den Kindern gespielt.

Jedes Mal, wenn ich meine Wäsche aufhänge oder zusammenlege, erhalte ich akribische Anweisungen, wie es richtig gemacht wird. Zufrieden waren die Frauen der Familie mit meinen Fortschritten jedoch bisher nicht. Ich glaube auch kaum, dass ich dies jemals schaffe. Egal, auf was ich alles achte, sie finden doch immer noch Verbesserungsmöglichkeiten: „Warum hängst du die Kleider so dicht? So dauert es lange bis sie trocknen. Kannst du deine Kleider etwas näher zueinander aufhängen? Das braucht sonst so viel Platz. Häng sie doch draußen auf, da trocknen sie schneller. Nein, das ist unordentlich zusammengelegt…..“
Ja, manche Dinge sind eben überall auf der Welt gleich.

Viele Grüße, Niclas

 

Print Friendly, PDF & Email

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.