Leben und Arbeiten in China Teil 2

Liebe Blogleserinnen und Blogleser, wieder ist eine Woche meines Auslandsaufenthaltes im Rahmen meines Studiums bei der SICK AG im chinesischen Guangzhou rasend schnell vergangen. Als Wiedereinstieg seien Zahlen und Fakten über die Stadt erwähnt. Guangzhou beherbergt über 10 Millionen Menschen und die Temperaturen in den Sommermonaten befinden üblicherweise jenseits der 35 Grad Marke. 2-tag-in-guangzhouDie Stadt liegt am Perlfluss und ist ein wichtiger Handelsplatz und Industriestandort. Wie im ersten Bericht angekündigt, möchte ich heute über das chinesische Geschäftsleben im Allgemeinen berichten. Trotz der chinesischen Mentalität, die stets Ruhe und Besonnenheit ausstrahlt, gibt es auch hier hektische Momente. Schließlich sollen am Ende eines 9 Stunden Tages so viele Aufgaben wie möglich erledigt sein und neue Erfolge verzeichnet werden. Dabei ist die Konkurrenz hoch- bei so vielen Menschen sind „einfache Arbeiter“ schnell ersetzbar, was eine gewisse Motivation in den Menschen weckt, ihnen gleichwohl aber auch einen Leistungsdruck auferlegt. Das Renteneintrittsalter liegt mit durchschnittlich  55 Jahren deutlich unter dem deutschen Niveau, dafür sieht es beim Urlaubsanspruch nicht so rosig aus. Lediglich 5 Tage im Jahr seien für die meisten Arbeitnehmer üblich, so erzählte es mir eine Chinesin. Dieser wird in der Regel gänzlich zum Frühlingsfest, auch chinesisches Neujahr genannt, genommen- der Zeit in welcher Chinesen ihre Heimatstädte aufsuchen um bei der Familie zu sein und in der es wirtschaftlich so zugeht wie bei uns über die Weihnachtsfeiertage.2-tag-in-guangzhou-22-07-2012-036

In China gibt es für geschäftlichen Informationsaustausch die China Post, im Privatbereich werden jedoch nur wenige Briefe versendet und empfangen. Für mich stellte es sich bereits als Schwierigkeit dar Briefmarken zu erstehen, da die Poststellen ab und an die Öffnungszeiten spontan nach ihren Bedürfnissen ändern und sich nicht an Informationstafeln an der Außenseite der Gebäude gebunden fühlen.

Mobiltelefone besitzen hier im Übrigen stets auch einen geschäftlichen Nutzen. Wird für die eigene Position kein Mobiltelefon seitens des Unternehmens gestellt, so gibt man seine private Handynummer für alle Kollegen an um immer erreichbar zu sein. Ein zweites Handy zu besitzen gehört in den meisten Fällen zum guten Ton und ist sehr geläufig. Wenn dann ein solches anfängt zu klingeln vernimmt man gänzlich andere Töne als in Deutschland. Oft hört man beruhigende, traditionelle Musik, die zum Entspannen einläd.

Ist man in einem Bürogebäude dienstlich verabredet so wird man oftmals einen 4. oder 14. Stock im Fahrstuhl vergebens suchen. Die Zahl vier ist in der chinesischen Kultur eine Unglückszahl. Begründet liegt dies im Wortlaut. Das chinesische Zeichen für die Zahl „vier“ klingt sehr ähnlich wie die Aussprache des Zeichens für „Tod“, wie mir erklärt wurde. Die Bevölkerung umgeht daher diese Zahl durch Einfügen eines Stockwerks 3A und 13A.

Im Umgang mit internationalem Besuch sind die Chinesen routiniert. Auch wenn sie sich untereinander selten die Hand reichen, ist diese Geste dennoch gegenüber ausländischen Besuchern sehr geläufig. Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft werden groß geschrieben. Und besonders das gemeinsame Essen hat einen hohen Stellenwert, auch unter den Chinesen selbst. Denn menschliche Beziehungen prägen die Arbeitswelt. So ist es nicht untypisch, seine freie Zeit am Wochenende mit den Kollegen zu verbringen oder nach der Arbeit gemeinsam ein gutes Restaurant aufzusuchen.

Nächste Woche werde ich zum Abschluss über Menschen und Kultur in China sprechen. Darunter Themen wie Sportmöglichkeiten, Verkehrssituation und Schokoladenkonsum.

Bis dahin beste Grüße aus Guangzhou,

Svenja

 

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