Was wurde denn aus – Robin Fingerlin?

  • Name: Robin Fingerlin
  • Alter: 25 Jahre
  • Ausbildungsberuf: DH-Studium Wirtschaftsingenieurwesen
  • Ausbildungszeitraum: 2008 – 2011

 

In welcher Abteilung, in welchem Bereich bei SICK arbeitest du heute?

Seit meinem Studienabschluss arbeite ich als Projektleiter für Kundenprojekte im Customer Solution Center der Prozessautomation. Die Prozessautomation ist neben der Fabrik- und Logistikautomation eine der drei Geschäftsfelder der SICK AG. Typische Produkte sind Gasanalysesysteme für beispielsweise Zementwerke, Stahlwerke, Müllverbrennungsanlagen oder Kraftwerke. Die Betreiber einer solchen Anlage sind verpflichtet, die Umwelt zu schützen und die produzierten Abgase unterhalb definierter Grenzwerte zu halten (wie der CO2 -Ausstoß beim Auto). Unsere Systeme überwachen die Abgase, auch Emission genannt, und senden die Messwerte an die jeweilige Behörde. Diese überwacht die Emissionswerte und verhängt bei zu hohem Ausstoß Strafen an die Betreiber der Anlage.

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Projekt Kick-Off Termin gemeinsam mit Kollegen der türkischen Tochterfirma, Kohlekraftwerk in Bursa, Türkei

Was übst du heute für einen Beruf aus? Wie bist du dazu gekommen? (Weiterbildungen, Schulungen, Seminare)

Nachdem ich bereits in zwei meiner Praxisphasen im Marktmanagement der Prozessautomation im Einsatz war, habe ich dort auch meine Bachelorthesis geschrieben. In der Thesis habe ich verschiedene Auslagerungsmodelle zur Kostenreduktion von Systemen im brasilianischen Projektgeschäft ausgearbeitet und deren Umsetzbarkeit geprüft. Dabei hatte ich bereits einige Berührungspunkte mit dem Projektgeschäft – das hat mein Interesse für den abwechslungsreichen Beruf des Projektleiters geweckt.

Deshalb hat es mich umso mehr gefreut, als ich nach dem Ausbildungsende eine Stelle als Projektleiter im Solution Center der Prozessautomation erhielt. Durch die enge Zusammenarbeit während der Bachelorthesis kannte ich bereits den Großteil der Kollegen und Schnittstellenabteilungen – das hat mir meinen Einstieg sehr erleichtert.

 

Was sind deine täglichen Aufgaben? Wie gestaltet sich dein Arbeitsalltag?

Im Beruf des Projektleiters ist jeder Tag anders! Man verbringt relativ wenig Zeit am eigenen Schreibtisch, nimmt dagegen an vielen Meetings teil und bewegt sich häufig in anderen Abteilungen um beispielsweise Produktionsfortschritte zu begutachten oder verschiedene Themen abzustimmen. Hin und wieder geht man auch auf Reisen und die Reiseziele liegen dabei auf der ganzen Welt verstreut.

Ein Kundenauftrag wird immer dann zum Projekt, wenn der Auftragsumfang nicht mit Standardteilen abgewickelt werden kann und/oder ein erhöhter Abstimmungs- bzw. Koordinationsaufwand erforderlich ist. Um die Aufgabe zu lösen, müssen meist Geräte von anderen Herstellern eingebunden oder teilweise sogar von SICK neu entwickelt werden. Gerade im Bereich der Gasanalyse ist die Abwicklung eines Auftrages als Projekt üblich, da jeder Kunde andere Prozessbedingungen hat, auf die die sensible Sensorik abgestimmt werden muss. Um eine solche individuelle Lösung zu erarbeiten, muss es jemanden geben, der sich um alles kümmert und dabei die Verantwortung für die Einhaltung der Kundenanforderungen und des Terminplans übernimmt – das ist der Job des Projektleiters.

Als Projektleiter steht man damit in Kontakt zu fast allen Bereichen der Firma. Nach außen ist man der erste Ansprechpartner für den Kunden, intern hat man die Aufgabe, zusammen mit dem Projektteam die Kundenanforderungen umzusetzen. Je nachdem, in welchem Land der Kunde sitzt, steht man während des gesamten Projektes in engem Kontakt zu den Kollegen vor Ort. In meinem Fall sind das bisher vor allem Kollegen der Tochterfirmen in Brasilien, Mexiko, USA, Finnland, Holland, Spanien und der Türkei gewesen.

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Begutachtung Produktionsfortschritt im Systembau in Reute

Gab es ein besonderes Ereignis in deiner Ausbildung, an das du dich heute noch gerne zurückerinnerst?

Mein persönliches Highlight in der Ausbildung war mein dreimonatiger Praxiseinsatz bei der brasilianischen Tochterfirma in São Paulo zur Ausarbeitung einer Marktanalyse. Dort habe ich sehr viele tolle Erfahrungen gesammelt, besonders positiv ist mir die brasilianische Mentalität und Gastfreundschaft in Erinnerung geblieben. Eine Erfahrung, die ich heute nicht mehr missen möchte.

 

Welchen Tipp gibst du Schülerinnen und Schülern, die mitten in der Berufsorientierung stecken?

Als Schüler ist es meist nicht ganz so einfach, die richtige Ausbildung bzw. Beruf zu finden. Die Suche wird vor allem dann erschwert, wenn die Schulnoten keine eindeutige Richtung vorgeben – mein bester Kumpel hatte eine 1 in Kunst und in allen anderen Fächern eine 4, er hat dann natürlich Kunst studiert. Aber bei den meisten ist das ja nicht so eindeutig.

Für mich sollte es zunächst ein Beruf mit Perspektive sein, der in die Richtung der Fächer geht, die mir in der Schule am meisten Spaß bereitet haben – das waren vor allem die naturwissenschaftlichen Fächer. So kam ich zum Beruf des Ingenieurs. Nur was macht ein Ingenieur den ganzen Tag? Stelle ich mir das richtig vor oder ist der Beruf doch nichts für mich? Welche verschiedenen Ingenieurberufe gibt es? Ich konnte mir das nicht so richtig vorstellen, denn meist hat man nur einen Einblick in die Berufe der Eltern. Mein Vater ist Polizist, meine Mutter Fremdsprachensekretärin – das hat beides wenig mit einem Ingenieur zu tun. Also machte ich zwei Praktika in unterschiedlichen Unternehmen. Dort war ich jeweils in rein technischen Bereichen eingesetzt – das fand ich zwar spannend, aber der Technikanteil war mir dann doch ein wenig zu hoch. Da mich neben den naturwissenschaftlichen Fächern auch die Wirtschaft sehr interessiert, fiel meine Wahl letztendlich auf den Wirtschaftsingenieur – für mich die ideale Mischung aus Technik und Wirtschaft.

Im nächsten Schritt habe ich mich auf die Suche nach den verschiedenen Ausbildungswegen zu diesem Beruf gemacht. Da ich sehr praxisbezogen bin, war für mich klar, dass es eine Ausbildung mit möglichst hohem praktischem Anteil sein sollte. Deshalb habe ich mich bei der SICK AG auf ein DH Studium als Alternative zum Studium an einer Universität beworben – und hat es geklappt!

Auch heute kann ich noch sagen, dass dieser Weg für mich die richtige Entscheidung war.

Einige meiner Schulkameraden haben beispielsweise ein Fach studiert, ohne zu wissen was sie nach dem Studium damit machen können. Für mich war es sinnvoller, erst einen Beruf zu finden, und dann den Ausbildungsweg dorthin zu suchen. Bei der Suche nach dem richtigen Beruf haben mir die Praktika sehr geholfen.

Vielleicht können euch diese Tipps ebenfalls bei der Berufsorientierung helfen. Ich wünsche euch dabei viel Glück!

 

Viele Grüße,

Robin

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