War mein Studium die richtige Entscheidung?

Jürgen Michna hat ein MINT-Studiengang belegt und arbeitet heute als Prozessingenieur bei der SICK AG in Waldkirch. Wir haben bei ihm nachgefragt, welche Erfahrungen er während seinem Studium gesammelt hat und ob die Wahl des Studiengangs die richtige Entscheidung war:

 

SICK Karriere: Sie sind Prozessingenieur. Worin besteht Ihr derzeitiges Tätigkeitsfeld?

Jürgen Michna: Meine Tätigkeit im Process Engineering umfasst die Entwicklung, Optimierung und Qualifizierung von Fertigungsprozessen. Der Schwerpunkt liegt dabei aktuell auf Fügeprozessen wie Kleben, Löten, Ultraschall- und Laserschweißen sowie der Tintenstrahlbedruckung von Sensorgehäusen. Hierfür arbeite ich sowohl mit Kollegen aus der Entwicklung, der Produktion aber auch dem Marketing und dem Produktmanagement zusammen. Das ist notwendig, da alle beteiligten Disziplinen bestimmte Anforderungen an die Produkte und damit auch an die zur Herstellung notwendigen Produktionsprozesse haben. Zu meiner täglichen Arbeit gehören theoretische Arbeiten ebenso dazu wie umfangreich experimentelle Versuchsreihen in unserem Labor und Qualifizierungstests an neuen Fertigungsanlagen. Darüber hinaus sondieren wir auch immer den Markt nach neuen und für SICK interessanten Produktionstechnologien und führen konzernweite Grundlagenprojekte zur Optimierung der Produktionsprozesse durch.

 

Jürgen Michna

SICK Karriere: Welchen Studiengang haben Sie zuvor belegt?

Jürgen Michna: Studiert habe ich Maschinenbau an der Universität Karlsruhe (TH), bzw. dem heutigen KIT Karlsruher Institut für Technologie. Im Hauptstudium habe ich mich dann in der Produktionstechnik vertieft. Direkt nach dem Studium fing ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am wbk Institut für Produktionstechnik des KIT an und forschte in der Abteilung Fertigungs- und Werkstofftechnik zum Thema Zerspanung und FEM-Simulation.

 

SICK Karriere: Was hat Sie dazu bewogen, dieses Studium zu realisieren?

Jürgen Michna: Eigentlich wollte ich nach meinem Zivildienst Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Als ich mich damals dann an der Uni Karlsruhe über die ingenieurwissenschaftlichen Vertiefungsrichtungen dieses Studiengangs informierte, landete ich beim Maschinenbau. Relativ schnell stellte ich fest, dass Maschinenbau genau das war, was ich wirklich machen wollte und so habe mich dafür eingeschrieben. Zur Zeit meines Studienbeginns ging es dem Maschinenbau nicht sonderlich gut. Es war also tatsächlich das Interesse an den Inhalten selbst und nicht z.B. die Aussicht auf eine Jobgarantie die mich zu diesem Studium bewegt hat.

 

SICK Karriere: War Ihr Studiengang eine gute Vorbereitung und Ausbildung für Ihre jetzige Tätigkeit?

Jürgen Michna: Das Maschinenbaustudium ist am KIT wie an den meisten Universitäten so aufgebaut, dass zunächst eine sehr breite, grundlagenorientierte und fundierte Ausbildung in den Kerndisziplinen des Maschinenbaus erfolgt. Von dieser Basis zehre ich auch heute noch, da sich viele technische Probleme und deren Lösungen auf grundlegende technische, physikalische oder chemische Zusammenhänge zurückführen lassen. Als wesentliche Faktoren sehe ich außerdem die Methodik, Denk- und Herangehensweisen, die durch das Studium in Fleisch und Blut übergehen. Allerdings gehört hier auch eine Portion Eigeninitiative dazu, denn vieles lernt man auch außerhalb des eigentlichen Studiums zum Beispiel durch die Arbeit als Hiwi (wissenschaftliche Hilfskraft) oder die Mitarbeit in einer Hochschulgruppe. Hier kann man tatsächlich oft das bereits Erlernte anwenden und die Auswirkungen des eigenen Schaffens erleben.

 

SICK Karriere: Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit am meisten?

Jürgen Michna: Da für jedes unserer Produkte eine Vielzahl von Fertigungsprozessen benötigt wird, bekomme ich irgendwann jeden unserer Sensoren auf den Tisch. Das bedeutet, dass ich mich immer wieder schnell in neue Aufgaben und Technologien einarbeiten muss. Die interdisziplinäre Arbeit mit den vielen Kollegen anderer Abteilungen und die tolle Zusammenarbeit in unserem Team führen dazu, dass wir immer wieder zu neuen Problemlösungen kommen, die zu stabilen Prozessen und damit besseren Produkten führen. Gerade diese ständige Abwechslung und Herausforderung macht meine Arbeit jeden Tag aufs Neue spannend. Die bei uns angesiedelten Grundlagenprojekte ermöglichen es mir außerdem auch, mich ab und zu richtig tief mit Problemen zu beschäftigen, was ich aus meiner Zeit in der Forschung natürlich zu schätzen weiß.

 

Jürgen Michna_4

SICK Karriere: Würden Sie sich als Abiturient wieder für diesen Studiengang entscheiden?

Jürgen Michna: Auf jeden Fall! Unser ganzes Leben ist von Technik umgeben und als Ingenieur ist man hier mittendrin statt nur dabei. Je nach Interesse bieten sich unterschiedliche Richtungen, in die man sein Studium lenken kann. Mit der breiten und guten Ausbildung habe ich das Rüstzeug bekommen, welches in der Industrie oder auch in der Wissenschaft dringend benötigt wird. Für Maschinenbauingenieure gibt es überall auf der Welt interessante Jobs und es macht Spaß, Dinge, die man sich zunächst alleine oder im Team ausgedacht hat, tatsächlich funktionieren zu sehen.

 

SICK Karriere: Welchen Rat würden Sie heutigen Studenten geben, die sich für einen MINT-Studiengang entschieden haben?

Jürgen Michna:

  • Man sollte die Grundlagenfächer wie z.B. Mechanik und Werkstoffkunde ernst nehmen.
  • Wichtig ist, dass man sich nicht alleine durch das Studium bewegt, sondern so weit es geht auch im  Studium als Team zusammenarbeitet
  • von Rückschlägen darf man sich nicht abschrecken lassen und gleich den Kopf in den Sand stecken.
  • Man sollte Eigeninitiative zeigen und sich am universitären Leben (Hochschulgruppen, Hiwi,…) beteiligen.
  • Um den Horizont zu erweitern, bieten sich auch Auslandsaufenthalte (Erasmus, Abschlussarbeiten, Praktika) an.

Abschließend halte ich es für wichtig, dass neben dem heute straff organisierten Studium auch das Leben außerhalb der Universität nicht zu kurz kommt und man sich Zeit für seine Freunde und Hobbies nimmt.

 

SICK Karriere: Vielen Dank, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben.

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