Going East: Willkommen in der größten Stadt Europas

Mein Name ist Francis Kothe und ich absolviere mein duales Studium zum Wirtschaftsingenieur bei SICK in Dresden. Von November 2015 bis Februar 2016 habe ich die reizvolle Gelegenheit, als erster Student von SICK ein Auslandspraktikum im Representative Office der SICK AG in Russland zu absolvieren.

 

FrancisKothe

Blick hinter die Kulissen: Hier bin ich im Moskauer Büro

Добро пожаловать в Москву! – Herzlich Willkommen in Moskau!

Schon auf dem Weg vom Flughafen Moskau-Scheremetjewo zu meinem Apartment wurde mir bewusst, dass 12 Millionen Einwohner eine komplett andere Größenordnung im Vergleich zu meiner Heimatstadt Dresden ist. Glücklicherweise holte mich ein Kollege von SICK direkt am Flughafen ab und fuhr mich in die etwa 35 km entfernte Wohnung, welche sehr zentral gelegen war. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe zu zwei Metrostationen, von denen ich lediglich 15 Minuten bis in das historische Zentrum von Moskau und sehr komfortable 45 Minuten bis ins Büro brauchte. Zur Länge des Arbeitsweges habe ich von vielen Kollegen wirklich beängstigende Angaben gehört, welche auf die enorme Größe Moskaus und den oft überladenen Verkehr zurückzuführen sind. Zudem bekam ich direkt eine russische SIM-Karte überreicht, um die Kommunikation zu erleichtern und ein Kollege erklärte mir noch ausführlich den Weg ins Büro. SICK Russland hat sich große Mühe gegeben, mir meinen Start in der neuen, fremden Stadt enorm zu erleichtern.

 

Sinnbildlich: Die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz

Sinnbildlich: Die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz

Der erste Eindruck „über der Erde“ setzte sich im Untergrund ungehindert fort. In der Metro dachte ich öfters, dass der jeweilige Waggon nun wirklich voll sei, tatsächlich schafften es immer noch ein paar Leute mehr hinein – notfalls eben mit etwas Anlauf. Auch wenn man zu den Stoßzeiten nie länger als eine Minute auf den nächsten Zug warten muss, herrscht hier eine enorme Rasanz. Trotzdem sollte man die Moskauer Metro definitiv einmal (bevorzugt am Wochenende) besuchen, da die Stationen architektonisch einzigartig und sehr kunstvoll gestaltet sind.

 

Könnte auch in ein Museum passen: Russische U-Bahn Architektur

Könnte auch in ein Museum passen: Russische U-Bahn Architektur

Im Büro wurde ich sehr herzlich von den Kollegen empfangen. Bei SICK in Russland arbeiten etwa 30 Mitarbeiter, 5 davon in einem Büro in Sankt Petersburg und die Übrigen in Moskau. So war es meinem Vorgesetzten möglich, mich direkt allen Mitarbeiten persönlich vorzustellen. Durch das angenehm offene Arbeitsklima war es mir schnell möglich Kontakte und sogar Freundschaften zu knüpfen. Während der Anfangszeit musste ich kein Wochenende allein verbringen – das fand ich, im positiven Sinne, außergewöhnlich.

 

Fachlich übernahm ich Aufgaben des ansässigen nationalen Produktmanagements für Gasdurchfluss-Messgeräte der Division Flow Solutions in Russland. Vor allem die Arbeit mit russischen Dokumenten und Zertifikaten, sowie die Recherche auf russischen Webseiten war aufgrund der Sprachbarriere eine echte Herausforderung. Diese konnte ich letztlich aber erfolgreich bewältigen. Als langfristiges Projekt erarbeitete ich außerdem eine spezielle Marktanalyse für den russischen Erdgasverteilungsmarkt, welcher Wettbewerbsprodukte und Kundenfeedback, aber auch die allgemeinen ökonomischen Randbedingungen für deutsche Unternehmen in Russland thematisiert. Die Bearbeitung dieses übergreifenden Themas erlaubte es mir, den Kollegen aus Dresden wie auch aus Moskau, gleichermaßen unter die Arme zu greifen.

 

Eine schöne Seite des strengen russischen Winters: Riesige Eisbahnen, wie diese, sind in ganz Moskau zu finden

Eine schöne Seite des strengen russischen Winters: Riesige Eisbahnen, wie diese, sind in ganz Moskau zu finden

Ich war äußerst froh, dass ich mir in Vorbereitung auf meine Reise das kyrillische Alphabet und einige Vokabeln in einem Intensiv-Kurs angeeignet habe, denn englische Übersetzungen sucht man hier häufig vergeblich. In der U-Bahn wie auch im Supermarkt ist so gut wie alles auf Russisch verfasst und das in einer Stadt mit 12 Millionen Einwohnern. Dennoch spürt man einen deutlich westlichen Einfluss. Das Vorhandensein aller bekannten Fast-Food Ketten, das Bevorzugen von internationalen und sogar deutschen Getränken statt dem oft stigmatisiertem russischen Nationalgetränk, sowie Bowling bei der Weihnachtsfeier sprechen wohl für sich. Ansonsten kann man im Supermarkt viele internationale Waren kaufen, was jedoch immer eine Frage des Preises ist. Als typisches russisches Studentenessen hat sich auch während meines Aufenthaltes „пельмени со сметаной“ (Pelmeni mit Smetana) etabliert, wenn das Kochen mal schnell gehen musste. Zum Mittag gingen wir meist in ein kleines Restaurant, indem mir vor allem „бефстроганов и картошка с грибами“ (Beef Stroganoff mit einer Kartoffel- bzw. Pilzpfanne) ans Herz gewachsen ist.

 

Zum Glück nicht mein Apartment: Einige Dinge sind eben doch „anders“ als in Deutschland.

Zum Glück nicht mein Apartment: Einige Dinge sind eben doch „anders“ als in Deutschland

Moskau hat gerade in seinem historischen Zentrum sehr viel in Form von Sehenswürdigkeiten, Museen, Kunst-Galerien und beeindruckender Architektur zu bieten. Ein einfacher Spaziergang am Rande des Kreml ist gerade in der Dämmerung, wenn die Gebäude durch aufwendige Beleuchtung ehrfürchtig in Szene gesetzt werden, wunderschön. Bei oft zweistelligen Minusgraden sollte man jedoch bedenken, dass man um regelmäßige Pausen zum Aufwärmen nicht herum kommt. Auch der heiße „Coffee-to-go“ bekommt hier eine ganz neue, zusätzliche Bedeutung – nämlich eine funktionelle!

 

Majestätisch: Sylvester-Feuerwerk am Kreml

Majestätisch: Sylvester-Feuerwerk am Kreml

Um mein aktives Russland-Visum bestmöglich zu nutzen werde ich in den folgenden Tagen noch einen Kurztrip nach St. Petersburg unternehmen. Oft heißt es, die nördlichste Millionenstadt der Welt und Russlands „Tor zum Westen“ sei noch schöner als Moskau. Ich werde mir selbst ein Bild machen und freue mich auf die restliche Zeit in Russland.

 

Beste Grüße aus Moskau

Francis Kothe

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