Studieren in Waterloo – Auslandserfahrungen in Kanada

Unser DH-Student Silas studiert an der DHBW in Lörrach Elektrotechnik. Im Moment verbringt er ein Auslandsemester an der Universität in Waterloo. Wir haben mit ihm über sein Studium in Kanada und die Unterschiede zu Deutschland gesprochen:

 

SICK Ausbildung: Hallo Silas! Du verbringst dein Auslandssemester gerade in Waterloo, Kanada. Erzähl uns kurz, wie es dazu kam.

Silas: Hallo SICK Ausbildung! Ja, zurzeit halte ich mich in Waterloo auf. Soweit ich weiß, waren aber weder Napoleon, noch ABBA hier :-). Dieses Waterloo befindet sich im Südwesten von Toronto und beheimatet eine der größten und bekanntesten Universitäten des Landes. Der Aufenthalt kam vor allem durch die Unterstützung von SICK und durch die Kooperation der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) mit der University of Waterloo (UW) zustande. Das Austauschprogramm nennt sich „CANEU Co-op“. Dabei können sich Studenten der DHBW um ein Theoriesemester an einer der kooperierenden Universitäten in Kanada bewerben, wenn ihr Arbeitgeber sich im Gegenzug dazu bereit erklärt, einem kanadischen Studenten einen viermonatigen Praktikumsplatz anzubieten. Bei der Auswahl werden zudem Sprachkenntnisse und soziales Engagement sowie akademische Leistungen berücksichtigt. Ich habe mich für das Theoriesemester entschieden, da ich die Möglichkeit nutzen wollte, an einer großen Universität zu studieren. Zudem bietet diese Zeit die Gelegenheit, ein internationales Netzwerk aufzubauen.

 

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Auf dem Campus in Waterloo

SICK Ausbildung: Wo und wie lebst du gerade in Waterloo?

Silas: Während des viermonatigen Aufenthalts lebe ich in einer WG mit fünf anderen Studenten. Die kanadische multikulturelle Gesellschaft spiegelt sich sowohl in der Universität, als auch in den Nationalitäten meiner Mitbewohner wieder. Für den täglichen Weg zur Uni habe ich Auto gegen Bus getauscht. Diesen kann man hier als Student kostenlos nutzen.

 

SICK Ausbildung: Gibt es große Unterschiede zu Deutschland?

Silas: Vor exakt 100 Jahren wurde die an Waterloo angrenzende Stadt umbenannt. Und zwar von Berlin in Kitchener. Daran lässt sich bereits erkennen, dass in der Kitchener-Waterloo-Region etwas „Germanness“ der früheren Einwanderer überlebt hat. Beispiele dafür sind Schnitzel auf den Menü-Karten oder ausgiebig gefeierte Oktoberfeste. Trotz alle dem gibt es auch einige weitreichende Unterschiede zwischen Kanada und Deutschland.

Die kanadischen Taschentuchhersteller haben sich beispielsweise dazu entschieden, ihre Version der weißen Quadrate anders zu falten, als die deutschen Hersteller. Auch dem grünen Ampelmännchen hat man hier einen weißen Anstrich verpasst. Rot blieb rot.

 

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Im Labor der University of Waterloo, Kanada

Studieren in Waterloo und Lörrach – die Unterschiede

SICK Ausbildung: Welche Unterschiede gibt es im Studium? Kann man die Uni in Waterloo mit Lörrach vergleichen?

Silas: Es fällt mir auch nach zwei Jahren Studium immer noch schwer, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Aber ich versuche mal die beiden verschiedenen Systeme nebeneinanderzustellen:

UW: 36 000 Studenten – DHBW Campus Lörrach: 2 100 Studenten

UW: 200 Studenten-Clubs – DHBW: 7 AG’s

UW: kaum Kontakt zum Professor – DHBW: Kaffee mit dem Prof keine Seltenheit

UW: Anonymität – DHBW: Klassenverband

Die Liste könnte man fortführen, ein Sieger würde sich für mich jedoch nicht herausstellen. Ich fühle mich an der DHBW in Lörrach sehr wohl und würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden. Trotzdem bin ich sehr froh, die Gelegenheit bekommen zu haben, an dieser bekannten Forschungsuniversität in Kanada studieren zu dürfen. Der größte Unterschied, den ich hier bemerke, ist die Arbeit im Labor. Diese nimmt einen Großteil der Zeit ein, bringt aber im Gegenzug auch einen sehr großen Anteil an anwendbarem Wissen. In Waterloo habe ich mich durch die äußerst internationale Atmosphäre ab dem ersten Tag wohl gefühlt.

„Great things never came from comfort zones.“

SICK Ausbildung: Die Vorlesungen an der Uni Waterloo werden in Englisch gehalten. Wie kannst du den Dozenten folgen? Verstehst du alle fachlichen Themen trotz Fremdsprache?

Silas: Als Student mit Fachhochschulreife, hatte ich vor der Reise nach Kanada einige Bedenken, bzgl. der Sprache. Und ja, ich würde sagen, dass es die englische Sprache nicht einfacher macht, aber definitiv auch nicht viel schwerer. Zudem ist dieser Punkt einer der Hauptgründe meines Auslandsaufenthalts. Passend dazu fällt mir das folgende Sprichwort ein: „Great things never came from comfort zones“. Zu Beginn waren einige Fachbegriffe fremd, an die man sich jedoch schnell gewöhnt. Zudem hindert einen auch keiner an der Verwendung des modernen Wörterbuches während der Vorlesung.

 

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Die Universität Waterloo – der Campus

Freizeitmöglichkeiten in Kanada

SICK Ausbildung: Wie verbringst du deine Freizeit in Kanada? Hast du auch schon etwas vom Land gesehen?

Silas: Abgesehen von der Laborarbeit, verbringe ich meine Freizeit hier mit den unterschiedlichsten Dingen. Die University of Waterloo und Kanada bieten unzählige Möglichkeiten. Durch verschiedenste Orientierungsveranstaltungen zu Beginn des Semesters, lernte ich in einer Woche wahrscheinlich mehr Menschen kennen, als in einem Jahr in Deutschland. Diese Kontakte habe ich genutzt, um Toronto, Montreal, Quebec und Ottawa zu besuchen. Zudem haben wir mit Aufenthalten in verschiedenen Nationalparks, Besichtigungen von Wasserfällen (u.a. Niagarafälle), Kanufahrten und Road Trips geprüft, ob die Aussage: „Kanada, das Land der Seen und Wälder“ zutrifft. Ergebnis: trifft zu. Vor dem Semester, habe ich meinen Urlaub dazu genutzt, die USA zu bereisen. Des Weiteren spiele ich hier zweimal pro Woche Badminton und versuche mich im Salsa.

 

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Canoeing

SICK Ausbildung: Wie lange bist du noch dort und worauf freust du dich am meisten, wenn du wieder zurück in Deutschland bist?

Silas: Das Kapitel Theoriesemester in Kanada endet mit den Final Exams kurz vor Weihnachten. Was sicher bleibt, sind die unzähligen Geschichten und Erinnerungen, die ich während den insgesamt 5 Monaten im Ausland gesammelt habe. Trotz alle dem freue ich mich sehr, meine Familie und Freundin wieder zu sehen…materiell freue ich mich auf Spülmaschinen und das eigene Auto 🙂

Grüße,

Silas

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